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Der letzte Ex-Azubi

Unser neuer Azubi ist ab sofort kein Azubi mehr, zumindest nicht hier.

Ich wollte damals ja eigentlich sowieso nie wieder einen Auszubildenden einstellen. Nachdem die letzten vier Anläufe allesamt mehr oder weniger katastrophal aber auf jeden Fall nie mit einem Abschluss endeten, hatte ich einfach die Fresse voll. Auf halber Strecke abgebrochen wegen Schwangerschaft, nie die Berufsschule besucht, ein Jahr krankgeschrieben oder eine zweifelhafte Verlässlichkeit hinsichtlich des Erscheinens in der Firma – da kann es einem wirklich die Laune verhageln.

Nachdem mir ein Kollege in den Ohren lag, dem jungen Mann, der hier in seiner Zeit als Aushilfe, bzw. später ungelernte Teilzeitkraft, einen wirklich guten Job gemacht hat und der nach der Schule in der Luft hing, einen Ausbildungsplatz anzubieten, hatte ich zunächst Bedenken. Meine Erlebnisse mit den letzten Auszubildenen waren einfach zu einschneidend.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Zeit als Aushilfe war zwar wohl spannend, die Realität mit der Erkenntnis, das jetzt "für immer" machen zu müssen, wohl sehr viel ernüchternder. So hatte er hier nun das Ausbildungsverhältnis zu Ende Februar gekündigt und wird sich beruflich komplett umorientieren.

Was mich und Azubis betrifft: Fragt mich wirklich niemals wieder.

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Kommentare

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Private Joker am :

Nachvollziehbar. Aber besser als geghosted zu werden.

phantom2786 am :

Da kommt jetzt dann ne Welle an Bewerbern wenn die meisten Büro/IT Jobs auf Grund von AI wegfallen. Bin mit Anfang 40 am überlegen vom Büro ins Handwerk zu wechseln, entweder als Quereinsteiger oder mit verkürzter Ausbildung.

unregistrierter User am :

Ins Handwerk zu orientieren ist bestimmt nicht verkehrt, wenn man es vom Talent und auch von der persönlichen Situation her kann.
Allerdings ist der Grund "AI" trotz aller Säue, die da gerade durchs Dorf getrieben werden, eher der falsche. Ja, Bürowelt wird sich ändern und gerade für einfachere Tätigkeiten in der Sachbearbeitung wird es auch Auswirkungen geben. Die meisten arbeiten jedoch weiter im Büro, nur eben anders.
Gab doch schon viele "Revolutionen" in der Arbeitswelt. Mit Einführung der Computer hat sich das Arbeitsumfeld von Sekretärinnen geändert. Mit Einführung des Internets/Mail hat sich die Arbeitswelt der Poststellen in den Firmen und Behörden geändert. Und ja, da sind viele Stellen auch weggefallen. Dennoch arbeiten heutzutage so viele Menschen in Bürojobs wie noch nie.
Da wäre es ein viel größeres Problem, wenn irgendwann mal eine Bundesregierung tatsächlich ernst machen würde mit der Digitalisierung und vor allem Entbürokratisierung.
wenn ich sehe, wie viel Arbeitszeit für Anträge, Nachweise und Statistiken gegenüber Behörden bei uns drauf geht und wie oft wir uns da mit Rückfragen oder geänderten Anforderungen herum schlagen, bei denen selbst innerhalb ein und derselben Behörde unterschiedliche Angaben, Formulare und Entscheidungen auf dem Tisch liegen, nur weil die eine Bearbeitung in Stadt A und die andere in Stadt B vorgenommen wurde... Da wird auch AI nicht so schnell Einwirken können.

phantom2786 am :

Natürlich werden nicht alle Büro Jobs wegbrechen, aber sicher mehr als man aktuell vermuten wird. Und ja das "wie" wird sich ändern, aber das ist genau der Punkt. Ich habe meinen (IT/Software) Job erlernt weil es "spass" macht. Die Arbeitsweise mit AI macht (mir) keinen Spaß, zumindest nicht so das ich sagen die 30 Jahre bis zur Rente möchte ich das noch machen. Einzig positive das (aktuell) noch bleibt ist die (gute) Bezahlung

Zeddi am :

Wir haben in der Lagerlogistik auch recht viele Absprünge bei den Azubis, das war vor 10 Jahren noch undenkbar.

Ich bin da son bisschen gespalten, auf der einen Seite ist das für einen Betrieb echt doof, auf der anderen Seite ist es natürlich ganz gut auch in hmmm weniger priviligierten Berufen nenn ich es mal sich heutzutage relativ einfach noch umorientieren zu können weil es genügend freie Stellen usw gibt.

Und son über Jahre unmotivierten Tropf durchzuziehen ist ja auch eher so mäßig spaßig.

nicht der andere am :

Was dich und Azubis betrifft sollen wir dich wirklich niemals wieder fragen?! Natürlich wär's noch schöner gewesen, wenn er die Ausbilund beendet hätte statt sie zu beenden. Aber die zugrunde liegende Erkenntnis muss man jedem zubilligen und offenbar hatte er keine großartigen Macken, war anwesend, hat geleistet und du warst mit ihm bislang zufrieden. Das ist doch was wert, auch für Betrieb, Kollegen und dich. Einen wie ihn könnte man doch bedenkenlos und reuelos ebenso einstellen.

Nobody am :

Zumal die Kritik wohl eher im Betrieb/Branche als beim Azubi zu suchen ist. Muss man sich halt überlegen wie man den Job attraktiver gestalten kann. Bezahlung, worklivebalance, Homeoffice ;-) … sonst muss man halt damit leben das man nur die komplett anspruchslosen Arbeitnehmer bekommt oder die die keine Wahl haben.

Andi am :

Hätte Björn ihm doch bloß regelmäßig eine Obstschale hingestellt!

Nobody am :

Wär ja mal was gewesen, stattdessen gab es die misslungenen Werke aus der Backstube, aufgerissene und abgelaufene Kekse ;-)

Aber mal im Ernst, da wird sich was tun müssen wenn wir irgendwann neben selber kassieren nicht auch noch die Regale einräumen wollen.

El Capitan Dos am :

Krankheit ist immer scheiße und niemand sucht sich das aus, gerade als Azubi und dann noch ein Jahr?

Würde das dem Ex-Azubi jetzt nicht unbedingt vorwerfen und es ist schon irgendwie bisschen schade, dass du so redest.

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